Arirang – das klingende UNESCO Kulturerbe Koreas
아리랑, 아리랑, 아라리요
Arirang, Arirang, Arariyo
Diese drei Silben kennt in Korea jedes Kind. Ich hatte Arirang zwar schon oft gehört, im Fernsehen, bei öffentlichen Veranstaltungen oder in modernen Interpretationen, aber erst mit der Zeit habe ich verstanden, was es bedeutet.
Was wie ein altes Volkslied klingt, ist in Wahrheit viel mehr. Lange wusste ich nicht, wie tief dieses Lied in Korea verwurzelt ist.
Arirang ist kein einzelnes Lied, sondern ein kulturelles Erbe mit hunderten Gesichtern. Jede Region Koreas hat ihre eigene Version, jede Generation eine neue Interpretation. Was alle gemeinsam haben, sind die drei Silben am Anfang: Arirang, Arirang, Arariyo. Schon dieser Refrain lässt viele Koreanerinnen und Koreaner innerlich mitgehen, oft sogar mit Tränen in den Augen.

Manche Versionen klingen sanft und traurig, andere lebendig und voller Energie. Die älteste überlieferte Form stammt aus Jeongseon in der Provinz Gangwon. Dort erzählt das Lied von einer Frau, die ihren Geliebten verliert, als er über einen Gebirgspass verschwindet. In der Fassung aus Jindo auf einer Insel im Süden wirkt alles fröhlicher, fast verspielt. Andere Varianten betonen Stolz, Heimat oder Überlebenswillen.
Das bekannteste Arirang ist wohl die sogenannte Bonjo-Version, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch den gleichnamigen Film von Na Un-gyu bekannt wurde. Obwohl das Lied keine direkte politische Botschaft enthält, wurde es in Zeiten der Fremdherrschaft als Ausdruck von Identität und innerem Widerstand empfunden.
Arirang hat seither Generationen begleitet. Es wurde bei Protesten gesungen, bei nationalen Feierlichkeiten, aber auch ganz privat, als Schlaflied, Trostspender oder Zeichen der Verbundenheit. Die UNESCO hat das Lied daher als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.
Für viele gilt Arirang bis heute als die heimliche Nationalhymne. Es ist ein Lied, das niemand erklären muss, weil es jeder kennt. Ein Lied, das keine Parolen braucht, weil es tief aus dem Herzen kommt.
Ein eindrucksvoller Moment war auch die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Arirang erklang vor einem weltweiten Publikum und wurde dabei nicht als Showelement eingesetzt. Es war ein kulturelles Herzstück, das allen Gästen einen Blick in die Seele Koreas eröffnete.
Was mich besonders beeindruckt: Arirang wird bis heute gesungen, gespielt, gecovert und weiterentwickelt.
Klassische Sängerinnen wie Sumi Jo haben es interpretiert, genauso wie Samulnori-Ensembles, K-Pop-Stars oder internationale Künstler auf Weltbühnen.
Auch BTS hat Arirang in einer beeindruckenden Live-Performance auf ihre Weise gewürdigt, modern, respektvoll und mit spürbarem Stolz.
Ich höre Arirang inzwischen mit anderen Ohren. Nicht, weil ich jedes Wort verstehe, sondern weil ich begreife, was dahintersteckt. Dieses Lied ist keine romantisierte Legende. Es ist gelebte Geschichte, ein Klang, der Korea atmet.


