Besuch in einem koreanischen Jjimjilbang
Koreas Jjimjilbangs sind Oasen des Alltags. Ich kannte sie bisher nur aus K-Dramen oder von Bildern in sozialen Netzwerken. Obwohl ich schon oft in Korea war und längst einmal selbst einen ganzen Tag in einem Jjimjilbang verbringen wollte, hatte es sich nie ergeben.

Jetzt war es so weit. Ich war mit sehr guten Freunden in einem Jjimjilbang, einer koreanischen Sauna, die so viel mehr ist als nur ein Ort zum Schwitzen. Schon beim Ankommen hatte ich das Gefühl, dass hier alles nach festen Abläufen funktioniert.
Ankommen, umziehen, eintauchen
Ich war in einem Jjimjilbang in Incheon, deshalb sind wir mit dem Auto gekommen. Das angeschlossene Parkhaus war am Sonntagnachmittag fast voll, was keine Überraschung ist, denn an Wochenenden und bei Regen entscheiden sich viele für einen Besuch.

Natürlich gibt es auch in Seoul sehr viele dieser Badehäuser, und mit der Naver Maps App lassen sich passende Orte leicht in der Nähe finden. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, erreicht die meisten Jjimjilbangs bequem mit Bus oder U-Bahn.
Schon im Eingangsbereich ziehen alle Besucher ihre Schuhe aus. An der Rezeption zahlt man den Eintritt und erhält ein Armband mit Chip. Dazu gibt es die typische Kleidung: ein T-Shirt und Shorts aus Baumwolle. Männer und Frauen tragen oft unterschiedliche Farben, die Größen reichen meist von Small bis 8XL.

Die Chipnummer führt zu einem kleinen Spind für die Schuhe, weiter hinten stehen große Schränke für Kleidung und Wertsachen bereit. Innerhalb des Jjimjilbangs dient der Chip auch als Zahlungsmittel für Essen oder Zusatzangebote. Bezahlt wird beim Verlassen.


Im Herzen des Jjimjilbangs
Männer und Frauen gehen zunächst getrennte Wege. Die Umkleide- und Duschbereiche sind geschlechtergetrennt. Viele Gäste duschen erst am Ende ihres Aufenthalts. Nach dem Umziehen beginnt der eigentliche Besuch im gemischten Bereich. Dort begegnet man Paaren, Kindern, Großeltern, Alleinreisenden und Freundesgruppen. Die Atmosphäre ist ruhig, selbst wenn viele Menschen gleichzeitig anwesend sind. Niemand ist laut, niemand hetzt.

Der Jjimjilbang in diesem Fall erstreckt sich über mehrere Etagen. Es gibt große Liegebereiche mit beheiztem Boden, Schlafräume, Fernsehnischen, abgedunkelte Ruheräume und sogar einen Spielbereich mit Kletterelementen und Rutsche.

Heiß, kalt und meist ruhig
Im Zentrum eines Jjimjilbangs stehen die Sauna- und Ruheräume. Trockensaunen mit unterschiedlichen Temperaturen wechseln sich ab mit Kälteräumen, die auf etwa 10 Grad heruntergekühlt sind. Viele Besucher wechseln gezielt zwischen Hitze und Kälte. Die Räume sind unterschiedlich gestaltet, oft mit Holz oder Stein. Gespräche sind selten, die Stimmung meditativ.

Wir haben den Raum mit 60 Grad ausprobiert. Der Steinboden war so heiß, dass man spürte, wie der ganze Körper von unten aufgewärmt wurde. Danach ging es direkt in den eiskalten Kühlraum. Der Kontrast war gewollt und tat erstaunlich gut.
Essen gehört dazu
Auch das Essen gehört zum Konzept. Der kleine Foodcourt bietet typische Gerichte an: Ramyeon, gebratener Reis, Tteokbokki, hartgekochte Eier, kaltes Shikhye. Die Ausgabe erfolgt an einfachen Theken.


Natürlich haben wir auch die berühmten Eier gegessen, die in der Hitze gegart werden. Sie sind hart, warm und schmecken leicht rauchig. Dazu ein kaltes Getränk, genau richtig nach dem Wechsel zwischen Hitze und Kälte.

Am Abend hatten wir uns gemeinsam fürs Essen entschieden. Wie in Korea üblich bestellt nicht jeder für sich selbst, sondern man isst gemeinsam. Neben typischen Beilagen hatten wir Chicken, Bibimbap und Miyeok-guk, eine Algensuppe, die besonders stärken soll.


Das Handtuch auf dem Kopf
Natürlich hatte ich auch mein Handtuch dabei, gerollt und auf dem Kopf getragen, wie es in Korea Tradition ist. Diese Technik nennt sich Yangmeori, also Schafskopf. Ich hatte das bisher nur aus K-Dramen gekannt, war aber begeistert, dass es hier viele so machen.

Massagestühle auf einem anderen Level
Ein echtes Highlight waren die Massagestühle. Was in Deutschland oft wie ein müdes Rütteln wirkt, ist in Korea eine nahezu professionelle Massage. Die Technik ist so ausgefeilt, dass man meint, ein Mensch würde massieren. Rücken. Schultern. Beine. Alles wird systematisch und kraftvoll bearbeitet. Ich hätte ewig darin sitzen können.


Rückzugsort mit Geschichte
Der Jjimjilbang ist für viele Koreaner ein Rückzugsort. Man kann essen, schlafen, fernsehen, sich pflegen lassen oder einfach nur in Ruhe schwitzen. Manche bleiben ein paar Stunden, andere die ganze Nacht.
Die Geschichte reicht weit zurück. Öffentliche Bäder, Mokyoktang, existierten bereits in der Joseon-Zeit. Sie waren funktional, schlicht und öffentlich. Später entwickelten sich größere Badehäuser mit Dampfbädern und Saunen. In den 1990er Jahren entstanden dann die heutigen Jjimjilbangs, rund um die Uhr geöffnet, mit Freizeitangeboten, Schlafmöglichkeiten und Gastronomie.

Wer Korea erleben will, sollte hierhin gehen
Der Besuch dauerte fast fünf Stunden. Beim Verlassen wird geduscht, die Kleidung zurückgegeben, das Armband abgegeben. Dann verlässt man den Jjimjilbang erstaunlich erholt.
Ein Jjimjilbang ist ein Erlebnis, das sich kaum mit dem deutschen Begriff Sauna beschreiben lässt. Auch die Preise sind im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Hier war der Eintritt 11.000 KRW pro Person und 2.000 KRW für die Kleidung, gesamt also rund 8 Euro. Dafür kann man 24 Stunden bleiben, wenn man will.
Wer Korea besucht, sollte sich dafür Zeit nehmen. Auch allein ist das problemlos möglich und lohnt sich.


