Ein Ausflug, wie ihn viele Koreaner lieben
Freizeit in Korea hat viele Gesichter. Die Freizeitwünsche und Aktivitäten der Koreaner sind sehr vielfältig. Manche verbringen den Tag im Café oder beim Shopping, andere genießen ihre Zeit in Freizeitparks wie Everland, Lotte World oder im Zoo. Viele zieht es in Seoul an den Hangang, oft für den ganzen Tag bis spät in den Abend. Andere verbringen ihre freie Zeit am Meer. Viele suchen auch die Berge, gehen campen, treffen sich zum gemeinsamen Grillen oder unternehmen Ausflüge an Orte, an denen sie mehrere Stunden zusammen sein können.

Beliebt ist auch der Besuch in einem Jjimjilbang, einer Art Badehaus und Sauna. Ich selbst habe das auch schon in Seoul gemacht. Doch es gibt auch eine Art Outdoor-Jjimjilbang. Für einen solchen Ausflug habe ich mich mit Freunden verabredet, zwischen anderthalb und zwei Stunden nördlich von Seoul. Unser Ziel heißt Jangheung Chamsutgama in Yangju, direkt am Fluss. Solche Orte sind vor allem bei Koreanern beliebt und viele verbringen dort gerne ihre Zeit, meist mit Partner, Familienangehörigen oder Freunden.

Wer nach Korea reist und vielleicht sogar einen Mietwagen gebucht hat, weil der Ort mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen ist, sollte einen Besuch in einem Outdoor-Jjimjilbang unbedingt einplanen. Vor Ort kommen die Wärme aus holzbefeuerten Räumen, das kalte Wasser des Flusses und das gemeinsame Essen unter Dach an einem Platz zusammen.

So beginnt unser Tag in der Natur
Am Parkplatz geben wir unser Auto ab, es wird entfernt abgestellt und später wieder vorgefahren. Am Eingang bezahlen wir den Eintritt und bekommen die typische orangefarbene Kleidung, die Männer und Frauen gleichermaßen tragen. In Körben liegen Schlappen in allen Größen, jeder nimmt sich ein Paar. Dazu gibt es einen Schlüsselchip für die Spinde.

Auf dem Gelände liegt vieles dicht beieinander: ein Kiosk mit Getränken und Kleinigkeiten, ein großer Raum zum Entspannen, der überdachte Grillbereich, mehrere Saunen und ein separater Raum, in dem auch Verkaufsveranstaltungen stattfinden. Gegenüber vom Parkplatz fließt der Fluss. Wir suchen uns im Hauptgebäude einen Platz, breiten Matten aus, stellen Kühlboxen daneben und packen Getränke, Snacks und Grillgut aus. Da wir zur Mittagszeit angekommen sind, war natürlich schon viel los. Einige waren bereits am Grillen, andere schon fertig oder in der Sauna. Familien mit Kindern waren genauso da wie Paare in jedem Alter und Freundesgruppen.


Warum alle die gleiche Kleidung tragen
Die Kleidung besteht aus einem orangefarbenen T-Shirt und einer langen Hose, die Männer und Frauen gleichermaßen tragen. In den getrennten Umkleiden zieht sie jeder nach dem Duschen an, dazu kommen die einfachen Schlappen aus den Körben. Es gibt sie für alle Größen, selbst für kleine Kinder und bis hin zu 8XL.

Die einheitliche Kleidung hat ihre Wurzeln in den koreanischen Badehäusern. Der Sinn liegt nicht nur in der Bequemlichkeit. Es ist hygienischer, wenn alle frische Kleidung tragen, und niemand trägt Unterwäsche oder BH darunter. Der Schnitt sitzt so, dass man nichts sieht, was man nicht sehen soll. Vor allem aber steckt eine klare Vorstellung dahinter: Gleichheit und Rücksicht im öffentlichen Raum.


Abkühlung im klaren Quellwasser
Die Saunaräume sind aus Lehm gemauert und werden mit Holz befeuert. Die Hitze ist stark, man bleibt nicht lange, sondern geht nach kurzer Zeit wieder hinaus. Zum Fluss hinführt eine Treppe. Viele breiten dort auf den Steinen ihre Matten aus, um näher am Wasser zu sein. Der Fluss ist flach, klar und stammt aus den Bergen, reines Quellwasser, das sich sanft abwärts bewegt. Mit Steinen ist er so gestaltet, dass man sich hineinstellen oder hinsetzen kann.

Wir saßen auf einem Steinwall im Wasser, die kleinen Kinder meiner Freunde auf unserem Schoß. Sie spritzten sich selbst nass und hatten großen Spaß dabei. Das steckte uns Erwachsene an, und schließlich begannen auch wir, uns gegenseitig nasszuspritzen. Wir waren an diesem Tag oft im Fluss. Dazwischen sind wir in die Sauna gegangen, haben gegrillt, uns ausgeruht, bei einer Verkaufsveranstaltung vorbeigeschaut und mit den Kindern ein Eis gegessen. Immer wieder zog es uns dann zurück ins Wasser, weil das kalte Quellwasser die beste Abkühlung war.

Grillen im Stil eines koreanischen BBQ
Der Grillbereich ist überdacht und wirkt wie ein typisches koreanisches BBQ-Restaurant, nur größer. In der Mitte steht ein großer Grill, bei dem das Personal sich um die Kohle und die Glut kümmert. Dort werden Fleisch und Fisch vorbereitet. Die Tischauflagen und die heiße Grillkohle für die eigenen Grills holt man draußen an der Feuerstelle. Dabei muss man genau aufpassen, was man tut.

Wir hatten Kühlboxen voller Getränke, Snacks und Beilagen dabei. Auf den Tischgrills brutzelten Schweinefleisch, Würste, Knoblauch, Kimchi und sogar Ananas. Dazu gab es Salatblätter, in die man das Fleisch einwickeln konnte. Schon nach kurzer Zeit standen die ersten Teller auf dem Tisch. Ich habe selbst gegrillt und wurde dabei teilweise interessiert beobachtet. Viele waren überrascht, dass ein Nicht-Koreaner am Grill stand und es genauso machte wie sie. Manche sprachen mich an, einige wollten sogar Selfies mit mir.

Beim Grillen bleibt man am Platz, bis man fertig ist. Man legt Fleisch und Beilagen auf, isst zusammen und räumt danach auf. Erst dann macht man den Tisch für die nächsten frei. In Stoßzeiten kann es passieren, dass man auf einen freien Grill warten muss. Zu trinken hatten wir Apfelsaft und Energy-Drinks ohne Kalorien, bei der Hitze war es wichtig, viel Flüssigkeit zu haben.

Nett war auch, wie mich zwei ältere ajummas wohlwollend und interessiert beim Essen mit den Stäbchen beobachtet haben. Sie waren ganz begeistert, dass nichts herunterfiel und ich sogar kleinste Mengen gut greifen konnte. Sie nickten mir freundlich zu, was einer kleinen respektvollen Verbeugung gleichkommt, und lachten. Immer wenn wir uns sahen, schenkten sie mir ein Lächeln. Als sie gingen, wünschten sie mir noch einen schönen Tag. Das war sehr herzlich und zeigt, dass man auch als Gast willkommen ist.

Wenn eine Verkaufsveranstaltung zur Show wird
Plötzlich bemerkte ich, wie Mitarbeiter kleine Tüten verteilten. Zuerst war ich überrascht, doch meine Freunde nahmen mich schnell mit in den Nebenraum, und auch ich bekam eine Tüte in die Hand gedrückt. Ohne es zu wissen, war ich mitten in einer Verkaufsveranstaltung gelandet. Bisher kannte ich so etwas nur aus K-Dramen, und ich war begeistert, wie das Verkaufsteam die Produkte präsentierte und die Leute mit einbezog. Es wurde erklärt, gelacht, Vorteile hervorgehoben und vom Publikum bestätigt. Auf die Frage „Wollt ihr lange gesund bleiben?“ antworteten alle im Chor mit einem lauten „Ne“, was auf Koreanisch einfach „Ja“ bedeutet.

Typisch koreanisch war auch die Reaktion des Publikums. Immer wieder riefen die Leute „Oh“ oder „Ah“ und taten so, als seien sie überrascht oder völlig überzeugt. Es gehört dazu, den Verkäufer zu unterstützen und die Veranstaltung lebendig wirken zu lassen. Verkaufsveranstaltungen sind in Korea sehr beliebt. Sie sind immer auch eine kleine Show, und natürlich mögen die Koreaner sie auch, weil es am Ende Geschenke gibt.
Angeboten wurden Ginsengpräparate, Seife, Zahnpasta, Nahrungsergänzungsmittel und viele andere Dinge. Ich selbst habe zwar nicht alles verstanden, aber es war lustig, und am Ende bekam ich viele kleine Geschenke. Damit hatte ich nicht gerechnet, schließlich bin ich als Gast kein potenzieller Stammkunde. Doch ich wurde von allen behandelt, als wäre ich ein einheimischer ajusshi.

Was Gäste unbedingt wissen sollten
Wer als Tourist Korea besucht, sollte sich unbedingt auch für einen Tag in ein Outdoor-Jjimjilbang wagen. Für mich war es vielleicht einfacher, weil meine Freunde regelmäßig dorthin fahren und mich mitgenommen haben. Aber wenn ich vorher gewusst hätte, wie viel Spaß es macht, wie unkompliziert alles ist und wie herzlich man als Gast aufgenommen wird, hätte ich es längst auch allein gemacht. Und wenn meine Freunde einmal keine Zeit haben, würde ich es ohne Zögern auch alleine tun.
장흥참숯가마 (Jangheung Chamsutgama)
400 Gwonnyul-ro, Jangheung-myeon, Yangju-si, Gyeonggi-do, Korea
경기 양주시 장흥면 권율로 400
Öffnungszeiten: täglich, 24 Stunden
Eintritt: Erwachsene ca. 15.000 Won, Kinder ca. 11.000 Won
Von Seoul aus dauert die Fahrt je nach Verkehr anderthalb bis zwei Stunden. Koreaner fahren in der Regel mit dem eigenen Wagen. Für Touristen ist ein Mietauto die einfachste Möglichkeit, da die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln recht umständlich ist.

Fazit
Für mich war dieser Tag ein besonderes Erlebnis, ein ganzer Tag mit Freunden, mitten im koreanischen Alltag. Kein touristisches Programm, sondern ein Ort, an dem man bleibt, isst, badet, redet und die Zeit miteinander verbringt.


