KakaoTalk: Kommunikation auf koreanische Art

📅 11. September 2025

Wenn ich in Korea mit meinen Freunden in Kontakt bleibe, läuft das fast ausschließlich über KakaoTalk. Die App ist allgegenwärtig, sie gehört zum Alltag wie das Smartphone selbst. Nachrichten, Fotos, kurze Sprachnachrichten oder Gruppenchats, alles läuft hier zusammen.

Für mich ist KakaoTalk längst unverzichtbar geworden, weil ich damit nicht nur private Gespräche führe, sondern auch Termine vereinbare, zum Beispiel für Beauty-Behandlungen oder einen Besuch im Nagelstudio. Praktisch ist auch der integrierte Kalender, mit dem sich Termine direkt in der App eintragen lassen.

Die meisten Koreaner sprechen übrigens gar nicht von “KakaoTalk”, sondern nutzen die kurze Abkürzung “Katok” (카톡). Zwei Silben, die sofort verstanden werden und längst zum festen Bestandteil des Alltags gehören.

Übersicht über Freunde, aktuelle Chats und ein Kontrollzentrum in KakaoTalk. Den Hintergrund kann man selbst anpassen

Auch in Deutschland bleibe ich über KakaoTalk mit koreanischen Freunden in Verbindung. Selbst Bekannte, die in Deutschland leben, aber einen Bezug zu Korea haben, nutzen die App. So ist KakaoTalk für mich zu einem festen Bestandteil der Kommunikation geworden, egal in welchem Land ich gerade bin.

Warum KakaoTalk und nicht WhatsApp?
In Deutschland ist WhatsApp der Standard. Wer nach Korea kommt, merkt jedoch schnell, dass diese App hier kaum eine Rolle spielt. Die allermeisten nutzen KakaoTalk, und zwar von jung bis alt. KakaoTalk wurde in Korea entwickelt und bietet neben Nachrichten viele weitere Funktionen, die den Alltag erleichtern. So kann man mit einem Klick einen Standort teilen, ein Taxi rufen oder Gruppentermine koordinieren. Auch Videoanrufe sind möglich, ebenso wie Gruppen-Chats mit vielen Teilnehmern. Für offene Gespräche gibt es zudem „Open Chats“, in denen jeder mitreden kann, ohne sich vorher kennen zu müssen. Viele Menschen haben deshalb keinen Grund, auf eine ausländische App wie WhatsApp auszuweichen.

So sehen die Nachrichten aus. Viele nutzen gerne eigene Emojis oder so wie ich einen eigenen Hintergrund

Mehr als nur eine Messenger-App
Kakao ist weit mehr als KakaoTalk. Der Konzern hat in den letzten Jahren ein ganzes Ökosystem aufgebaut. Mit KakaoMap navigiere ich in Seoul durch die Straßen, mit KakaoMetro plane ich Fahrten mit der U-Bahn, mit Kakao T buche ich Taxis oder andere Fahrdienste.

Einige Dienste sind allerdings für Ausländer nicht zugänglich. KakaoPay, das von vielen Koreanern selbstverständlich genutzt wird, kann ich selbst nicht verwenden, da dafür eine koreanische Bankverbindung und eine registrierte Mobilnummer erforderlich sind. Dafür habe ich eine eigene Kakao-E-Mail-Adresse, die ebenfalls fest mit dem Konto verknüpft ist und mir den Austausch mit Freunden und Bekannten erleichtert.

Spannend sind die offiziellen KakaoTalk-Kanäle. Restaurants, Cafés oder Veranstalter nutzen sie, um Gäste direkt anzusprechen. Ich bekomme so regelmäßig Informationen über Ausstellungen, Konzerte oder auch Restaurantangebote. In einem Café reicht oft ein kleiner QR-Code am Eingang, den man scannt, und schon landen die Neuigkeiten automatisch im KakaoTalk-Chat. Die meisten dieser Kanäle sind allerdings fast ausschließlich auf Koreanisch, was für Ausländer eine kleine Hürde darstellen kann.

Die vielen möglichen Emojis kann man kostenlos oder günstig im Store laden und in den Chats nutzen

Wer in einer fremden Sprache nicht sicher ist, kann innerhalb der Chats die eingebaute Übersetzungsfunktion nutzen. Sie liefert keine perfekte Übersetzung, doch meist reicht sie, um den Sinn zu verstehen. So erschließt sich der Inhalt zumindest grob und ermöglicht es mir, auch koreanischsprachige Nachrichten oder Kanäle sinnvoll zu nutzen.

Interessant finde ich auch, wie offen Koreaner mit KakaoTalk umgehen. Ich bin schon in Pubs oder in Restaurants von Tischnachbarn angesprochen worden, die direkt nach meinem KakaoTalk-Namen fragten, um mit mir in Kontakt zu bleiben. Praktisch ist dabei die Möglichkeit der sogenannten Open Chats. Damit legt man eine Art Alias an und kann so kommunizieren, ohne den eigentlichen Hauptaccount preiszugeben.

Kakao Friends: Kultfiguren mit Charme
Ein fester Bestandteil von KakaoTalk sind die Kakao Friends. Diese Comicfiguren haben längst Kultstatus erreicht. Ob Ryan, der etwas ernste Löwe ohne Mähne, oder Apeach, die freche Pfirsichfigur, sie tauchen überall auf.

Kakao Friends der Store rund um KakaoTalk und den Charakteren 

In Seoul gibt es eigene Kakao Friends Stores, in denen man Plüschtiere, Schreibwaren oder Alltagsgegenstände mit den beliebten Figuren kaufen kann.

Ein Blick in einen Kakao Friends Store

Ich selbst bin ein großer Fan von Ryan und vor allem von Choonsik, der kleinen Katze, die an Ryans Seite steht. In meinem Alltag habe ich gleich mehrere Dinge von Choonsik: eine Stofffigur, Notizbücher und sogar meine Computermaus. Die Figuren begleiten mich also nicht nur digital in Chats, sondern auch physisch am Schreibtisch. Sticker und Emojis mit den Charakteren nutze ich regelmäßig, wenn ich mit meinen koreanischen Freunden schreibe. Ich liebe die Vielzahl an Emojis, die man kostenlos erweitern oder für wenig Geld kaufen kann. Mit der Zeit habe ich mir eine riesige Sammlung zugelegt, die für alle Gelegenheiten passt.

Ich selbst bin ganz großer Fan von Choonsik. Selbst meine Computermaus ist Choonsik von Kakao Friends

Wenn das Smartphone Katok ruft
Wer einmal in Seoul mit der U-Bahn fährt, wird schnell auf ein Geräusch aufmerksam: auf die typische KakaoTalk-Benachrichtigung. „Katok“ kurz und prägnant, zwei Silben, die jeder sofort erkennt. Permanent ertönt dieser Ton aus den Smartphones der Mitfahrenden.

 

Für mich war es anfangs fast ungewohnt, wie selbstverständlich die Menschen sofort auf ihr Handy schauen, wenn dieses Signal ertönt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass in einem voll besetzten Waggon alle paar Sekunden irgendwo dieser Ton zu hören ist. KakaoTalk ist dadurch nicht nur eine App, sondern ein akustisches Stück koreanischer Alltagskultur.

Unterwegs in der U-Bahn hört man oft typische KakaoTalk-Benachrichtigung „Katok“, weil fast alle in Korea den Messenger nutzen und Nachrichten empfangen

Alltag mit KakaoTalk
Für mich ist KakaoTalk das Tor zur koreanischen Welt. Ich erfahre dort von Veranstaltungen, bekomme Restaurantempfehlungen oder verabrede mich spontan für einen Abend am Han-Fluss. Oft sind es auch Treffen in einem Café, ein gemeinsames Essen oder die Verabredung zu einem Spaziergang.

Besonders praktisch sind die Nachrichten, die manchmal direkt von Dienstleistern über KakaoTalk kommen, wenn man einen Termin vereinbart hat. So gibt es hin und wieder Erinnerungen, die helfen, den Überblick zu behalten. Für viele Dienstleistungen wie Friseur, Nagelstudio oder Kosmetikstudio wird in Korea normalerweise eine koreanische Telefonnummer verlangt. Wer diese nicht hat, kann stattdessen einfach KakaoTalk nutzen, um erreichbar zu sein und Termine zu bestätigen.

Viele meiner Freunde nutzen KakaoTalk auch, um ihr Profil regelmäßig zu gestalten. Manche stellen ganze Fotosammlungen ein, andere ergänzen romantische Angaben über ihre Partnerschaft. Typisch sind Einträge wie „Wedding ♥️ D-352“ oder „D-709“, die angeben, wie lange man schon zusammen ist.

Auf dem eigenen Profil hinterlegen viele Fotos oder auch die Infos, wie lange sie schon mit dem Partner zusammen sind. Rechts der eigene KakaoTalk Kalender

Auch die Gruppenfunktionen erleichtern den Alltag. Ob Ausflug, Abendessen oder eine gemeinsame Wochenendplanung, in Korea läuft fast jede Absprache in KakaoTalk-Chats. Und weil wirklich jeder die App nutzt, muss man nie erklären, wie man erreichbar ist.

Fazit
KakaoTalk ist mehr als nur ein Messenger. Es ist ein Spiegel des koreanischen Alltags, ein Werkzeug für Kommunikation und Organisation. Zusammen mit den Kakao Friends und den vielen Zusatzdiensten des Unternehmens ist eine Welt entstanden, die weit über eine Chat-App hinausgeht. Für mich bedeutet KakaoTalk, mitten im koreanischen Leben dabei zu sein und durch meine Freunde auch in Deutschland nie den Kontakt zu Korea zu verlieren.

Wer als Gast nach Korea reist, sollte KakaoTalk am besten schon vorher installieren. Die App gibt es für Android und iPhone, man kann sein Profil einrichten, sich mit den Funktionen vertraut machen und sofort in Korea nutzen. Also runterladen, anmelden und loschatten.