[MISSION] Der Mai in Korea: Ein Monat voller Feste, Familie und Vielfalt
Wenn ich an den Monat Mai denke, dann fällt mir zuerst der Frühling ein – das frische Grün in den Parks, die angenehmen Temperaturen und die Lust, Zeit draußen zu verbringen. Nicht nur das: Für mich beginnt im Mai auch die Zeit, in der Korea regelrecht aufzublühen scheint – nicht nur wegen der angenehmen Temperaturen und blühenden Landschaften, sondern auch wegen der vielen Feiertage und Veranstaltungen, die das Land in eine festliche Stimmung versetzen.

In Korea erlebt man den Mai anders – als einen Monat voller besonderer Tage, an denen die Menschen sich Zeit füreinander nehmen.
1. Mai – Tag der Arbeit (근로자의 날)
In Deutschland ist der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ bekannt. Auch in Korea gibt es diesen Tag – allerdings ist er dort kein gesetzlicher Feiertag für alle. Nur manche Berufsgruppen bekommen an diesem Tag frei, zum Beispiel viele Angestellte in Büros. Ich war überrascht, dass Schulen und viele Geschäfte an diesem Tag ganz normal geöffnet sind. Trotzdem ist der 1. Mai auch in Korea ein Tag, an dem über Arbeitsrechte und die Bedeutung von fairen Arbeitsbedingungen gesprochen wird.
5. Mai – Kindertag (어린이날)
Der Kindertag ist einer der sympathischsten Feiertage in Korea. Familien verbringen diesen Tag gemeinsam mit ihren Kindern, gehen in Parks, besuchen Freizeitparks oder machen einen Ausflug. Kleine Geschenke gehören genauso dazu wie gemeinsame Erlebnisse, die lange in Erinnerung bleiben.

Wenn ich an Familie und Korea denke, dann denke ich sofort an die gemeinsamen Aufenthalte in Korea mit meiner Tochter. Wir waren schon mehrmals zusammen dort – Vater und Tochter, die gemeinsam ein Land entdeckt haben, das uns beide auf ganz unterschiedliche Weise begeistert hat.
In Korea wird der Mai als Monat der Familie gefeiert – mit besonderen Tagen wie dem Kindertag oder dem Elterntag, die zeigen, wie wichtig Zusammenhalt in der Familie ist. Genau das habe ich bei unseren Aufenthalten in Korea auf unsere eigene Art erlebt. Ob Hanbok im Palast, Karaoke, Streetfood oder K-Pop – diese Erinnerungen sind für uns unvergesslich. Und auch zu Hause bleibt diese Verbindung lebendig. K-Drama-Abende, K-Pop-Konzerte in Deutschland oder koreanisch Essen gehen – das alles ist längst ein Teil unseres Familienalltags geworden.
Was mich in Korea besonders beeindruckt, ist die enge Bindung in vielen Familien, die dort nicht nur gelebt, sondern durch Traditionen spürbar gemacht wird – genau wie am Kindertag. Das ist ein Wert, von dem wir alle etwas lernen können.
Buddhas Geburtstag (석가탄신일)
Ein ganz besonderer Feiertag im Mai ist Buddhas Geburtstag. Er fällt jedes Jahr auf den achten Tag des vierten Mondmonats und richtet sich damit nach dem Mondkalender. 2025 war das der 5. Mai.
Schon beim Besuch verschiedener Tempel in Korea habe ich die besondere Atmosphäre dieser Orte sehr geschätzt. Die weitläufigen Tempelanlagen, eingerahmt von Bergen oder eingebettet in das Stadtleben, laden zum Verweilen und Innehalten ein. Besonders beeindruckt haben mich die unzähligen bunten Laternen, die in den Tagen vor Buddhas Geburtstag überall in den Tempeln, an Straßen und auf Plätzen aufgehängt werden. Jede dieser Laternen soll Glück bringen – für einen selbst, für die Familie oder für alle Lebewesen.

Am Tag selbst werden viele Tempel festlich geschmückt. Es gibt traditionelle Zeremonien, Gesänge und Gebete. Einige Tempel laden Besucher ein, kostenlos an einer Mahlzeit teilzunehmen oder bei einer Tasse Tee zur Ruhe zu kommen. Auch viele Familien besuchen gemeinsam einen Tempel, um Buddha zu ehren und gemeinsam Zeit zu verbringen. Für mich sind diese Momente etwas ganz Besonderes – nicht, weil ich Buddha religiös verbunden bin, sondern weil die Atmosphäre eine besondere Ruhe und Gemeinschaft ausstrahlt, die man schwer in Worte fassen kann.

8. Mai – Elterntag (어버이날)
Nur wenige Tage später folgt der Elterntag. Anders als in Deutschland, wo Mutter- und Vatertag getrennt gefeiert werden, ehrt man in Korea beide Elternteile gemeinsam. Traditionell schenkt man rote oder pinke Nelken. Ich habe das bei Freunden gesehen – die Kinder bereiten oft kleine Gedichte oder Karten vor.

Besonders schön finde ich, dass nicht nur Kinder, sondern auch erwachsene Söhne und Töchter diesen Tag bewusst nutzen, um ihren Eltern Wertschätzung zu zeigen. Ob mit einem gemeinsamen Essen, einem kleinen Geschenk oder einfach durch persönliche Zeit miteinander – es geht darum, Dankbarkeit sichtbar zu machen und die familiären Bindungen zu pflegen, die in Korea einen besonders hohen Stellenwert haben.

15. Mai – Lehrertag (스승의 날)
Auch der Lehrertag im Mai hat mich beeindruckt. Schüler und Studierende schenken ihren Lehrkräften Blumen oder kleine Aufmerksamkeiten, um Danke zu sagen. Es ist kein gesetzlicher Feiertag, aber in vielen Schulen ist an diesem Tag früher Schluss.
Der 15. Mai wurde übrigens nicht zufällig gewählt: Er ist der Geburtstag von König Sejong, dem Erfinder des koreanischen Alphabets. Für viele steht dieser Tag deshalb auch symbolisch für die Bedeutung von Bildung und den Zugang zu Wissen. Dass Lehrer in Korea an diesem Tag geehrt werden, passt für mich perfekt zu dieser Tradition.

In Deutschland gilt offiziell der 5. Oktober als Tag des Lehrers. Doch im Gegensatz zu Korea kennt diesen Termin kaum jemand – gefeiert wird er bei uns so gut wie nie. Umso mehr hat mich die Wertschätzung beeindruckt, die Lehrer in Korea an diesem Tag ganz sichtbar erfahren.
20. Mai – Together Day (세계인의 날)
Er findet jedes Jahr am 20. Mai statt und wurde eingeführt, um das Zusammenleben von Koreanern und den vielen Menschen aus aller Welt zu fördern, die für längere Zeit oder dauerhaft in Korea leben. An diesem Tag werden im ganzen Land Veranstaltungen organisiert, bei denen der kulturelle Austausch im Mittelpunkt steht. Ich finde, das ist ein schönes Zeichen für ein offenes Korea – gerade für jemanden wie mich, der Korea liebt, aber eben doch ein Gast bleibt.

Unternehmen, Organisationen, Schulen und Universitäten nutzen diesen Tag, um Vielfalt sichtbar zu machen und neue Verbindungen zu schaffen. Dabei geht es nicht um große politische Gesten, sondern um das, was im Alltag zählt: Miteinander sprechen, feiern und sich gegenseitig besser kennenlernen. Überall entstehen kleine Feste, Mitmachaktionen und Begegnungen, bei denen Gemeinschaft gelebt wird.
Was mich an diesem Tag besonders begeistert, ist die spürbare Freude, die überall zu erleben ist. Menschen unterschiedlicher Herkunft – ob sie nun hier leben, arbeiten oder studieren – kommen zusammen, feiern, lachen und zeigen, wie bunt Korea längst geworden ist. Für mich ist der Together Day ein Feiertag, der genau das sichtbar macht: Korea als offene, multikulturelle Gesellschaft, in der Brücken gebaut werden zwischen Koreanern und all den Menschen, die hier ein Zuhause gefunden haben.

Mein persönlicher Blick auf den Mai in Korea
Was mich am Mai in Korea besonders fasziniert, ist der tiefe Respekt, der hier ganz selbstverständlich gelebt wird – sei es gegenüber Eltern, Lehrern oder der kulturellen Vielfalt im Land. Es geht weniger um materielle Dinge, sondern um das Miteinander, um Dankbarkeit und darum, sich gegenseitig wertzuschätzen. Für mich macht genau das den Mai zu einem ganz besonderen Monat.


