[MISSION] Welttourismustag: Korea als Vorreiter im Tourismus
Dailycation als neuer Trend
Am 27. September ist Welttourismustag. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Tourism and Sustainable Transformation“. Es geht darum, Reisen neu zu denken und nachhaltiger zu gestalten.
Korea zeigt eindrucksvoll, wie das gelingen kann. Mit innovativen Konzepten und einer klaren Förderung von Tourismus hat sich das Land nicht nur zu einem der beliebtesten Reiseziele weltweit entwickelt, sondern auch zu einem Vorreiter, wenn es um neue Ansätze im Tourismus geht.

2024 haben rund 16,4 Millionen Menschen Korea besucht. Das war ein Zuwachs von fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr und entspricht bereits wieder knapp 94 Prozent des Rekordniveaus von 2019 vor der Pandemie. Während viele Länder noch aufholen, ist Korea längst zurück. Kraftvoll, kreativ und einladend.
Einen wichtigen Anteil daran hat das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus (MCST), das mit klaren Strategien und Förderprogrammen den Tourismus stärkt und neue Trends setzt. Mich beeindruckt, wie konsequent Korea den Tourismus fördert und weiterentwickelt und wie sehr sich das Land auf seine Gäste einstellt.

Wie Menschen Korea kennenlernen
Wenn Menschen nach Korea reisen, geht es längst nicht mehr nur um Paläste, Tempel oder moderne Architektur. Viele haben ihren ersten Kontakt zu Korea über K-Pop, K-Dramen oder die Sprache gefunden. Unter den jüngeren Besuchern reisten 32 % hauptsächlich wegen Hallyu-Inhalten, also K-Pop, K-Dramen oder anderen Angeboten der Koreanischen Welle, nach Korea.

Während K-Pop vor allem für Begeisterung für Korea sorgt, sind es die K-Dramen (Serien und Filme), die ein Bild vom Alltag zeichnen und den Wunsch wecken, das selbst so zu erleben: Picknicks am Hangang, Barbecue mit Soju, Café-Besuche oder ein Abend im Noraebang (Karaoke-Raum) und viele andere alltägliche Dinge.
Wer nach Korea reist, erkennt sie wieder und macht sie selbst zum Teil der eigenen Reise. Bei meinen Aufenthalten in Korea habe ich dabei oft ein kleines Déjà-vu-Erlebnis. Plötzlich finde ich mich in Situationen wieder, die ich zuvor nur aus K-Dramen kannte.

Neben K-Dramen und Filmen prägen auch soziale Medien wie Instagram oder TikTok das Bild vom Alltag. Besonders Beiträge von Touristen und von Menschen, die in Korea studieren oder arbeiten, setzen andere Schwerpunkte: Beauty-Behandlungen, Shopping, Streetfood oder angesagte Hotspots. Viele Besucher lassen sich davon inspirieren und probieren genau das während ihrer Reise selbst aus. Auch ich habe schon oft erlebt, dass mich ein Beitrag oder ein Tipp neugierig gemacht hat und ich es dann in Korea selbst ausprobiert habe.

Genau hier setzt das Konzept Dailycation an. Der Begriff verbindet „daily“ (Alltag) und „vacation“ (Urlaub). Gemeint ist eine Form des Reisens, bei der Sehenswürdigkeiten ihren Platz haben, ergänzt durch Dinge, die Koreaner in ihrem Alltag tun.
Dailycation und was dahintersteckt
Dailycation gewinnt dabei immer stärker an Bedeutung für den koreanischen Tourismus. Das zeigt auch ein informativer Artikel auf Korea.net, der sich auf eine Studie des Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus stützt: https://german.korea.net/NewsFocus/Society/view?articleId=265801
Am stärksten nachgefragt sind Friseursalons und Kosmetikstudios, die mehr als ein Drittel der Befragten nannten. Dahinter folgen Shopping in Läden und Pop-up-Stores, die Trends direkt erlebbar machen. Für Erholung stehen besonders der Hangang-Fluss und Parks, die fast jeder Tourist einmal besucht. Auch das Thema Essen zeigt, wie eng Alltag und Reise zusammengehören. Rund ein Fünftel der Befragten entscheidet sich für Korean Barbecue. Cafés und Desserts sind fast ebenso beliebt. Dazu kommen One-Day-Classes, in denen man kocht, töpfert oder tanzt.

Diese Zahlen machen deutlich: Dailycation ist längst mehr als eine Idee. Es sind die alltäglichen Dinge, die für viele Besucher zum eigentlichen Erlebnis werden.
Was Dailycation für mich bedeutet
Es geht nicht darum, etwas nachzuspielen oder so zu tun, als wäre ich Einheimischer. Ich bin in Korea als Gast, und genauso erlebe ich das Land. Dailycation bedeutet für mich, dass selbst ganz normale Dinge Teil meiner Reise werden. Sie fügen sich ein, ohne dass ich sie planen müsste, und machen den Aufenthalt lebendig. Für mich wird Dailycation dann spürbar, wenn ich Dinge erlebe, die für viele in Korea ganz normal sind, für mich aber etwas Besonderes werden.
Schon an kleinen Dingen merke ich, wie sehr ich den Alltag in Korea aufnehme. Ich trage Accessoires wie ein BT21-Stofftier am Rucksack, benutze im Sommer selbstverständlich einen Handventilator oder ziehe bei Regen Crocs oder Gummistiefel an. Ich klebe mir sogenannte Acne Patches über Hautunreinheiten oder kühle mich mit Pads auf der Stirn. Für mich sind das keine nachgemachten Gesten, sondern praktische Dinge, die einfach Sinn ergeben und dadurch zu meinem Alltag werden.

Was in Korea alltäglich und wichtig ist
Beauty und kosmetische Behandlungen zeigen, wie stark Ästhetik und ein gepflegtes Erscheinungsbild in Korea zum Alltag gehören. Was in Deutschland oft als Wellness oder Luxus verstanden wird, ist hier etwas Selbstverständliches. Ich gehe zum Friseur, lasse meine Haut analysieren, mache Gesichtsbehandlungen, nehme mir Zeit für Maniküre und Pediküre und gönne mir Scalp Treatments.

Essen hat in Korea einen besonderen Stellenwert. Oft heißt es nicht „Wie geht es dir?“, sondern „Hast du schon gegessen?“. Ich grille alleine oder mit Freunden Schweinebauch oder Rippchen beim Barbecue, bestelle Chicken mit Bier und Soju oder sitze abends im Pocha.

Auch am Hangang gehört Essen dazu: mit Freunden Ramyeon essen, Picknick machen oder allein mit einem Kaffee am Ufer sitzen. Viele sagen: „Wer am Hangang kein Ramyeon gegessen hat, hat den Hangang nicht wirklich erlebt.“ Ich kann das nur bestätigen. Und am Cheonggyecheon Stream, wenn ich die Füße ins Wasser halte und die Stimmung auf mich wirken lasse, fühle ich mich ebenso mitten im Alltag.

Convenience Stores gehören für mich fest zum Alltag in Korea. Sie sind an fast jeder Ecke zu finden und rund um die Uhr geöffnet. Ich hole mir dort gelegentlich ein schnelles Frühstück, mache mir Ramyeon, kaufe Snacks oder einen Kaffee. Oft esse ich direkt im Laden, weil es so unkompliziert ist.

Cafés haben in Korea einen besonderen Stellenwert. Ich bestelle dort meist einen Iced Americano oder etwas Süßes. Für viele Koreaner sind Cafés mehr als Orte zum Verweilen, sie werden wie ein zweites Arbeitszimmer oder ein Lernplatz genutzt. Auch ich habe den ein oder anderen Artikel als Honorary Reporter schon in einem Café in Seoul geschrieben.

Shopping ist für mich ebenfalls Dailycation. Ich kaufe Kosmetik bei Olive Young, finde Kleidung in Boutiquen oder Kaufhäusern und stöbere bei Daiso nach Alltagsdingen.

Zur Freizeit gehört vieles, das für Koreaner selbstverständlich ist. Ich nehme an einem Kochkurs teil, entspanne im Jjimjilbang, gehe abends in einen Pub oder verbringe Zeit in einer Gaming-Halle. Dort spiele ich Dart oder probiere mein Glück am Automaten mit dem Greifarm.

Im Noraebang (Karaoke) singe ich und im Photo Booth entstehen Erinnerungsfotos, die typisch für Korea sind.

In all solchen Momenten entstehen oft auch nette Begegnungen. Daraus sind im Laufe der Zeit auch Freundschaften gewachsen, die bis heute halten. Etwas Besonderes war für mich die Einladung zu einer koreanischen Hochzeit, ein Erlebnis, das mir den Alltag noch nähergebracht hat.


Fazit
Korea zeigt, dass Tourismus mehr sein kann als das Abhaken von Sehenswürdigkeiten. Das Land öffnet Besuchern Türen in den Alltag und macht damit genau das erlebbar, was Reisen unvergesslich macht. Wer nach Korea kommt, entdeckt nicht nur ein Reiseziel, sondern eine Kultur, die ihre Gäste willkommen heißt und ihnen erlaubt, am Leben teilzuhaben.

Dailycation steht für diesen Ansatz. Es macht deutlich, dass gerade die kleinen Dinge wie ein Cafébesuch, ein Abend am Hangang oder eine Beauty- und Kosmetikbehandlung zu Erlebnissen werden, die bleiben.
Gerade diese Mischung macht Korea so spannend: große Eindrücke und kleine Momente, die man nur hier erlebt. Am besten reist du selbst nach Korea und entdeckst, wie vielseitig und lebendig dieses Land ist.


