Zwei Märkte, zwei Gesichter – Marktbesuche in Korea
Wer Märkte in Korea erleben will, kommt an Gwangjang nicht vorbei. Zentral gelegen, bekannt für Streetfood, voller Leben und für viele die erste Adresse in Seoul. Ganz anders der Gugyeong Market in Danyang, einer kleineren Stadt am Fluss Namhangang, deren Markt kaum auf klassischen Reiserouten steht, aber genau deshalb interessant ist.
Zwei Märkte, die nicht nur geografisch weit auseinanderliegen, sondern auch atmosphärisch. Der eine voll und gedrängt, der andere überschaubar und bodenständig. Beide sind auf ihre Weise typisch und zeigen, wie vielseitig Marktbesuche in Korea sein können.


Gwangjang Market: Viel zu sehen, viel zu erleben
Wenn ich durch den Gwangjang Market gehe, muss ich mich konzentrieren, um nicht mit anderen Besuchern zu kollidieren. Die Gänge sind eng, die Geräuschkulisse ist hoch. In der Mitte sitzen Menschen auf kleinen Hockern vor Imbissständen. Manche schauen auf ihre Telefone, andere filmen oder fotografieren.

Ich bin bei jedem Besuch in Seoul auch auf dem Markt, und natürlich esse ich dort immer etwas Traditionelles Koreanisches, etwas Herzhaftes und etwas Süßes.


Der Markt wurde 1905 gegründet und zählt heute zu den ältesten und größten Märkten des Landes. Mit einer Geschichte, die bis in die Joseon-Dynastie zurückreicht, ist er ein geschäftiger Mittelpunkt von Kultur, Küche und Handel. Er erstreckt sich über rund 42.000 Quadratmeter und bietet mehr als 5.000 Verkaufsstände, die täglich von etwa 65.000 Menschen besucht werden.


Neben Streetfood gibt es frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch. Außerdem werden Textilien, Hanbok, Haushaltswaren und traditionelle Produkte angeboten. Die oberen Etagen sind bekannt für Stoffe, Bettwäsche und Schneidereien.

Einige Stände sind auch durch die Netflix-Serie „Street Food: Asia“ bekannt geworden. Besonders die Nudelverkäuferin Cho Yonsoon, die ihre handgezogenen Kalguksu-Nudeln in einer kleinen Gasse innerhalb des Marktes zubereitet und deren Stand sich gleich am Eingang in der Nähe von Jongno 5-ga befindet, ist heute eine Art Sehenswürdigkeit.

Danyang: Platz, Ruhe und regionale Spezialitäten
Danyang liegt in der Provinz Chungcheongbuk-do, rund zwei Stunden südöstlich von Seoul. Der Markt befindet sich im Zentrum der Stadt, unweit des Flusses Namhangang und ist ein lokaler Treffpunkt für die Menschen aus der Region.
Der Hauptmarkt in Danyang heißt Danyang Gugyeong Traditional Market, oft einfach Danyang Gugyeong Markt genannt. Er wurde als einer der „K‑Tourism Markets“ ausgezeichnet, ein Zeichen seiner Bedeutung als Touristenziel.


Der Markt in Danyang wirkt offener als der Gwangjang Markt in Seoul. Weniger Stände, breitere Wege, mehr Raum zum Schauen und Stehen.
Ich war mit Freunden abends auf dem Markt. Wir schlenderten durch die Gänge, probierten einige der angebotenen Speisen und entscheiden uns schließlich für Mandu. Später entdeckten wir Croissants mit Knoblauchpaste, die wir unbedingt probieren mussten.

Der Markt ist berühmt für Knoblauch‑Küche: von knusprig gebratener Knoblauchhühnergangjeong über Knoblauch‑Pfannkuchen, Knochenbrühe, Knoblauch‑Mandu bis hin zu schwarzem Knoblauch‑Gebäck. Alles made in Danyang.

Das Angebot ist vielfältig: Gemüse, Obst, frischer Fisch, Fleisch, Tteok, Speisen zum Mitnehmen und einige Haushaltswaren. Viele kaufen Zutaten für zu Hause, nicht nur fertiges Essen. Auffällig ist das Angebot an Knoblauchprodukten, eine Spezialität der Region. Der Markt besteht aus drei überdachten Gängen mit insgesamt einigen hundert Ständen und ist vor allem für Bewohner aus Danyang und Umgebung gedacht.

Marktvielfalt in Korea und Deutschland
In ganz Korea gibt es rund 1.400 traditionelle Märkte. In Seoul reihen sich neben dem Gwangjang Market noch weitere zentrale Märkte wie Namdaemun, Noryangjin, Tongin, Gyeongdong oder Bangsan aneinander. In Busan sorgen Märkte wie Jagalchi, Gukje oder Haeundae für regional ganz eigene Markt-Kultur.

Außerdem findet man Märkte in fast jeder Kleinstadt und ländlichen Region. Sie bieten hauptsächlich frische Lebensmittel, regionale Spezialitäten und Haushaltswaren. Diese Märkte gehören fest zum koreanischen Alltag und erfüllen auch heute noch eine wichtige Funktion in der Nahversorgung.
Im Vergleich zu Deutschland wirken Koreas Märkte deutlich lebendiger und vielfältiger, nicht nur im Angebot, sondern auch durch die Häufigkeit. Während Wochenmärkte in deutschen Städten meist an ein oder zwei Tagen pro Woche stattfinden, gibt es in Korea an fast jedem Tag irgendwo einen Markt. Und nicht selten sind sie überdacht, wettergeschützt und mit Infrastruktur wie Parkplätzen, Toiletten und Sitzbereichen ausgestattet.

Standorte und Öffnungszeiten
Der Gwangjang Market liegt im Stadtteil Jongno in zentraler Lage von Seoul. Die nächste U-Bahn-Station ist Jongno 5-ga, erreichbar mit den Linien 1 und 2. Der Markt ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Die Streetfoodstände haben in der Regel bis etwa 23 Uhr geöffnet. Sonntags konzentriert sich das Geschehen auf den unteren Bereich mit Imbissständen, während die oberen Etagen mit Textilien meist geschlossen bleiben.
Der Gugyeong Market in Danyang befindet sich im Zentrum der Stadt, etwa zehn Gehminuten vom Intercity Bus Terminal entfernt. Die Öffnungszeiten sind täglich von 8 bis 20 Uhr, samstags bis 21:30 Uhr. Besonders am Wochenende ist der Markt gut besucht.
Fazit
Märkte in Korea sind mehr als nur Orte zum Essen. Viele Stände bieten neben traditionellen Speisen auch kostenlose Kostproben an, kleine Snacks oder Beilagen, die man sonst vielleicht nie probiert hätte. Doch es geht nicht nur ums Probieren. Auch die Atmosphäre, das Sortiment, die Gespräche und das Miteinander machen einen Marktbesuch besonders.
In Seoul ist alles enger, lauter und schneller. In Danyang geht es ruhiger und alltäglicher zu. Beide Orte zeigen, wie unterschiedlich der Marktalltag in Korea aussehen kann.
Wer Korea wirklich erleben möchte, sollte sich mindestens einen Markt anschauen. Es lohnt sich und manchmal entdeckt man dabei mehr, als man vorher erwartet hätte.


