Die koreanische Fotokultur – Niedliche Posen und Gesten
Viele von euch, die sich mit Korea beschäftigen, K-Dramen und koreanische Filme ansehen oder den koreanischen Schauspielern, Musikern und Idols auf den sozialen Medien folgen und vielleicht schon in Korea waren, ist sicherlich aufgefallen, wie oft und unterschiedlich die Koreaner mit Handgesten auf Fotos posieren.
Als ich vor einigen Jahren zum ersten Mal nach Korea kam, war ich fasziniert von der einzigartigen Fotokultur, die ich hier vorfand. Es scheint, dass den Koreanern Fotos und vor allem auch Selfies viel mehr Spaß machen als wir in Deutschland.
In Korea ist es eine Selbstverständlichkeit viel zu fotografieren. Und so haben mich nicht nur die vielen Photo-Booths an fast jeder Straßenecke in Seoul fasziniert, sondern auch wie die Koreaner und meine koreanischen Freunde und Bekannten auf Fotos posieren.

Ich habe den Eindruck, als hätte jede Koreanerin und jeder Koreaner ein ganzes Repertoire an niedlichen Gesten und Posen parat, sobald eine Kamera auf sie gerichtet wird. Anfangs war das etwas ungewohnt für mich, aber mit der Zeit habe ich diese Posen auch selbst übernommen.
Diese Gesten haben eine kulturelle und soziale Bedeutung und sind oft Ausdruck von Freundlichkeit, Freude oder Zuneigung.
Da ich immer wieder gefragt werde, was die einzelnen Posten bedeuten, möchte ich einige meiner Beobachtungen und Erfahrungen mit euch teilen.
Die beliebtesten Posen
Fingerherzen
Eine der ersten Gesten, die mir auffiel, war das Fingerherz. Dabei formen Daumen und Zeigefinger ein Herz.

Diese Geste ist besonders durch K-Pop-Stars und Prominente populär geworden und wird oft in sozialen Medien verwendet. Die Idee hinter dem Fingerherz stammt aus der Überlegung, dass eine große, dramatische Geste wie das “Herz-über-dem-Kopf” nicht immer angebracht ist, vor allem in Alltagssituationen. Deshalb wurde dieses winzige, unaufdringliche Herz erfunden, das auf Fotos diskret und dennoch ausdrucksvoll ist.
Ich sehe das Fingerherz in Korea überall: auf der Straße, in Cafés, in Parks – einfach überall, wo Fotos gemacht werden. Anfangs kam es mir fast etwas übertrieben vor, aber ich habe schnell gelernt, dass es hier eine gängige Art ist, Zuneigung und positive Gefühle auszudrücken. Das Fingerherz wird oft in romantischen Situationen verwendet, aber auch als allgemeine Geste der Wertschätzung und des Respekts.

Mittlerweile ertappe ich mich selbst dabei, wie ich bei meinen Selfies oder auch Gruppenfotos automatisch zum Fingerherz greife.
Für mich symbolisiert das Fingerherz nicht nur Zuneigung, sondern auch die enge Bindung, die wir haben. Es ist eine Art, unsere Freundschaft sichtbar zu machen, auch wenn wir nicht immer die gleichen Worte sprechen.
Inzwischen gibt es auch ein eigenes Fingerherz Emoji 🫰.
Das V-Zeichen
Diese Geste, bei der Zeige- und Mittelfinger ein „V“ formen, ist weltweit bekannt und symbolisiert „Victory“ (Sieg) oder „Peace“ (Frieden).
Das V-Zeichen ist wohl die Pose, die ich am häufigsten mache und neben dem Fingerherzen auch am meisten als Geste auf Fotos sehe. Es ist erstaunlich vielseitig!

Oft halte ich meine gespreizten Finger neben mein Gesicht auf Augenhöhe. Meine koreanischen Freunde haben mir erklärt, dass dies die Augen optisch vergrößert und das Gesicht schmaler erscheinen lässt – beides gilt in Korea als attraktiv.
Manchmal variiere ich und halte das V-Zeichen unter mein Kinn oder direkt vor ein Auge. Jede Variante hat einen leicht anderen Effekt auf das Gesamtbild.

In Korea wird es oft in Fotos verwendet, um eine fröhliche und positive Atmosphäre auszudrücken. Es ist eine lockere, freundliche Geste, die oft mit einem Lächeln kombiniert wird.
Die Wangenherz-Pose
Eine weitere Pose ist das „Wangenherz“. Dabei legt man eine Hand an die Wange, sodass sie ein halbes Herz formt. Es dauerte eine Weile, bis ich den Dreh raushatte und manchmal sieht es noch etwas komisch aus, aber inzwischen klappt auch diese Pose bei mir gut und ich mache sie gerne. Diese Pose sehe ich oft bei K-Pop-Idols und Influencern. Sie verleiht Fotos einen verspielten, niedlichen Touch.

Die Wangenherz-Pose wird oft verwendet, um Liebe und Zuneigung auszudrücken, ähnlich wie das Fingerherz. Diese Geste ist besonders bei Paaren beliebt, die sie auf Fotos machen, um ihre Liebe zu symbolisieren.
Herz-über-dem-Kopf
Bei dieser Geste werden die Arme über den Kopf in Form eines großen Herzens gehoben. Dieses Symbol ist weit verbreitet und wird verwendet, um große Zuneigung oder Liebe zu zeigen. Es ist größer und auffälliger als das Fingerherz und wird oft bei besonderen Anlässen oder großen emotionalen Momenten verwendet.

Besonders bei Konzerten oder großen Veranstaltungen, wo Stars oder Idole ihre Dankbarkeit gegenüber den Fans zeigen, verwenden sie diese Geste, um ihre Liebe und Dankbarkeit auf eine „große“ und herzliche Weise auszudrücken.
Es kann auch in der täglichen Kommunikation verwendet werden, um intensive Zuneigung zu zeigen.
Blumenpose
Diese Pose wird oft als „Blumenpose“ bezeichnet, weil die Hände wie Blütenblätter das Gesicht einrahmen. Bei dieser Geste legt man beide Hände unter das Kinn und formt sie zu einer „Schale“, als würde man eine Blume präsentieren. Sie soll Niedlichkeit und Unschuld ausdrücken.

Diese Geste ist besonders in der koreanischen Unterhaltungsindustrie beliebt, insbesondere bei weiblichen Stars, die ihre „niedliche“ oder „unschuldige“ Seite zeigen wollen. Es vermittelt ein Bild von Reinheit, Unschuld und oft auch kindlicher Verspieltheit.
Warum diese Posen so beliebt sind
Je öfter und länger ich in Korea bin, desto besser verstehe ich, warum diese Posen so weit verbreitet sind:
Ästhetik
In der koreanischen Kultur wird viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt. Diese Posen sind darauf ausgelegt, bestimmte Gesichtszüge zu betonen oder das Gesicht vorteilhaft erscheinen zu lassen.
Aegyo-Kultur
Aegyo“ ist ein wichtiger Begriff in Korea. Er beschreibt ein niedliches, oft kindliches Verhalten, das als charmant gilt. Viele dieser Fotoposen fallen in die Kategorie Aegyo.
Gruppenzugehörigkeit
Es ist eine Art nonverbaler Kommunikation, die zeigt, dass man die kulturellen Codes versteht und respektiert, und so fühle ich mich als Teil der Gruppe.
Social Media Einfluss
Soziale Medien spielen in Korea eine große Rolle. Viele Posen werden durch Influencer und K-Pop-Stars populär und verbreiten sich dann wie ein Lauffeuer.
Ausdrucksform
Die koreanische Gesellschaft gilt oft als zurückhaltend, wenn es um den offenen Ausdruck von Gefühlen geht. Diese Posen bieten eine spielerische Möglichkeit, Emotionen zu zeigen, ohne dabei als aufdringlich zu gelten.
Meine persönliche Entwicklung
Ich habe all diese Posen und Gesten zu schätzen gelernt. Sie sind nicht nur eine lustige Art, Fotos aufzunehmen, sondern auch ein Weg, meinen koreanischen Freunden zu zeigen, dass wir auf einer Wellenlänge sind.

Wie selbstverständlich gehören diese Posen inzwischen zu meinem Alltag. Ob bei einem Ausflug mit Freunden, einem Besuch in einem Café oder einfach nur beim Spaziergang durch die Stadt – sobald eine Kamera gezückt wird, finde ich mich automatisch in einer dieser Posen wieder. Es ist, als hätte ich eine neue visuelle Sprache gelernt.

Fazit
Die koreanische Fotokultur ist viel mehr als nur eine Reihe von niedlichen Posen. Sie ist ein Fenster in die koreanische Gesellschaft, ihre Werte und ihre Art, sich auszudrücken.
Ich habe festgestellt, dass diese Handgesten nicht nur auf Fotos verwendet werden, sondern auch im alltäglichen Leben.
Für mich sind diese Gesten mehr als nur Posen; sie sind Ausdruck von Emotionen und Teil der koreanischen Kultur, die Freundschaft und Zuneigung hochhält. Jedes Mal, wenn ich diese Posen mache, fühle ich mich mit meinen koreanischen Freunden verbunden, und es macht Spaß, diese kleinen, liebevollen Gesten der Freude zu teilen. Es sind die kleinen Dinge, die uns näherbringen und unsere Erinnerungen unvergesslich machen.
Natürlich ist es wichtig zu betonen, dass nicht alle Koreaner diese Posen machen oder mögen. Wie in jeder Kultur gibt es auch hier individuelle Vorlieben und Abneigungen. Dennoch bleibt es für mich eine faszinierende und liebenswerte Besonderheit der koreanischen Kultur, die ich nicht mehr missen möchte.


