[Mission] Literatur in Korea & Buchtipp für Korea Interessierte
Ich möchte euch in diesem Artikel gerne ein interessantes Buch über Korea empfehlen. Wer dieses Buch liest, wird das Land und seine Menschen mit anderen Augen sehen. Es ist ein sehr humorvolles, informatives und teilweise nachdenklich stimmendes Werk, das Korea aus einer persönlichen, aber universell zugänglichen Perspektive beleuchtet.
Um meine Faszination über dieses Buch mit euch zu teilen, möchte ich Euch vorab einen kleinen Einblick in die lebendige koreanische Literaturszene und die vielen wunderschönen Buchläden, die es überall in Korea, besonders in Seoul gibt, geben.

Literatur in der koreanischen Gesellschaft
Die koreanische Literatur hat eine lange und reiche Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Obwohl die Literatur zunächst auf Chinesisch geschrieben wurde, entwickelte sich nach der Einführung des koreanischen Schriftsystems Hangeul eine eigene Tradition.
Laut einer Studie aus dem Jahr 2020 lesen 74,2 Prozent der Koreaner regelmäßig Bücher, was im Vergleich zu anderen Ländern ein sehr hoher Wert ist. In Deutschland lesen nur rund 35 Prozent der Deutschen regelmäßig Bücher. Im Durchschnitt liest jeder Koreaner 11,6 Bücher pro Jahr. Das ist eine beeindruckende Zahl.
Literatur spielt in der koreanischen Gesellschaft eine wichtige Rolle. Es gibt zahlreiche Literaturpreise und -festivals, die die Arbeit von koreanischen Autoren würdigen und fördern. Viele koreanische Autoren finden auch international Anerkennung. Der Literaturnobelpreis für Han Kang im Jahr 2016 war sicherlich ein Höhepunkt für die koreanische Literaturszene und hat das Interesse an koreanischer Literatur weltweit weiter angefacht.
Auch die koreanische Regierung setzt sich aktiv für die Förderung der Literatur ein, indem sie zum Beispiel Stipendien für Schriftsteller vergibt und die Übersetzung koreanischer Bücher in andere Sprachen unterstützt.
Lesegewohnheiten der Koreaner
Ich habe beobachtet, dass Koreaner viel und gerne lesen. In der U-Bahn, in Cafés oder in den zahlreichen Parks sieht man oft Menschen, die in Bücher vertieft sind. Neben klassischer Literatur sind auch moderne Romane, Lyrik und Sachbücher sowie Manhwa (koreanische Comics in Buchform, ähnlich den Webtoons die nur online veröffentlicht werden) sehr beliebt. Was mich überrascht hat, ist die Vielzahl an Übersetzungen internationaler Bestseller. Es scheint, als wären die Koreaner sehr interessiert daran, Literatur aus aller Welt kennenzulernen.
Als ich vor kurzem wieder in Korea war, war ich total begeistert, dass man viele öffentliche Bücherstände und “Outdoor Library“ in Seoul findet, zum Beispiel auch in U-Bahnstationen, in denen man kostenlos ein Buch lesen und zur Ruhe kommen kann.

Buchläden in Korea: Ein Paradies für Leseratten
Meine erste Entdeckung waren die zahlreichen Buchläden in Seoul. Überall in der Stadt findet man kleine, gemütliche Läden, die bis zum Rand mit Büchern gefüllt sind.
In Korea sind Buchhandlungen mehr als nur Verkaufsorte. Sie sind Treffpunkte, Cafés und manchmal sogar kleine Kulturzentren. In Seoul gibt es einige beeindruckende Buchläden wie die Kette Kyobo, die mit ihrer riesigen Auswahl an Büchern und Schreibwaren ein wahres Mekka für Bücherliebhaber ist.
Ein besonderes Highlight ist die Starfield Library im Gangnam-gu Viertel von Seoul, die mit ihren 13 Meter hohen Bücherregalen und der atemberaubenden Architektur nicht nur Leseratten, sondern auch Architekturliebhaber anzieht.

Was mich besonders fasziniert, sind die 24-Stunden-Buchläden, die man hier findet. Die Vorstellung, mitten in der Nacht in Ruhe durch Bücherregale zu stöbern, hat etwas Magisches.
Ein Buchtipp aus Deutschland
Nach diesem kleinen Einblick in die koreanische Welt der Literatur und der Buchläden, möchte ich nun zu meinem Buchtipp kommen. Und es mag euch vielleicht erstaunen, aber eines meiner Lieblingsbücher eines koreanischen Autors kommt aus Deutschland.
Für alle, die noch tiefer in die koreanische Kultur eintauchen möchten, habe ich einen spannenden Buchtipp: „Gebrauchsanweisung für Südkorea“ von Martin Hyun.

Rezension: „Gebrauchsanweisung für Südkorea“ von Martin Hyun
Martin Hyun, ist ein deutsch-koreanischer Autor und nimmt uns in diesem Buch mit auf eine faszinierende Reise durch Korea. Mit viel Humor und Scharfsinn beleuchtet er die verschiedenen Facetten des Landes, von der pulsierenden Hauptstadt Seoul bis hin zu den ruhigen Bergdörfern.
Was dieses Buch so besonders macht, ist Hyuns einzigartige Perspektive. Als Sohn koreanischer Einwanderer in Deutschland hat er einen Blick sowohl von innen als auch von außen auf die koreanische Kultur. Er erklärt komplexe kulturelle Konzepte wie „Han“ (eine Art kollektives Gefühl von Unterdrückung und Resignation) oder „Jeong“ (eine tiefe emotionale Verbundenheit) auf eine Weise, die auch für Nicht-Koreaner verständlich ist.
Bereits der Einstieg in das Buch fesselt: Hyun beschreibt nicht nur kulturelle Eigenheiten und Traditionen, sondern gibt auch persönliche Anekdoten preis, die oft zum Schmunzeln anregen. Man erfährt von den kuriosen Etiketten, die die koreanische Esskultur bestimmen, warum das Bad im öffentlichen Jjimjilbang (Badehaus) eine ganz eigene Philosophie verfolgt und wie das Leben in einer Gesellschaft funktioniert, die tief von konfuzianischen Werten durchdrungen ist.
Besonders spannend sind seine Ausführungen zur Höflichkeit und dem gesellschaftlichen Rangsystem, die für viele westliche Leser exotisch wirken. Auch die politische Situation und die Geschichte des Landes kommen nicht zu kurz – Hyun erklärt die Hintergründe und Zusammenhänge auf eine verständliche und interessante Art und Weise.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der Hyun über sein eigenes Erleben als Koreaner in Deutschland spricht. Er beschreibt die Herausforderungen und Vorurteile, mit denen er konfrontiert wurde, und wie er versucht hat, eine Brücke zwischen den beiden Kulturen zu schlagen.
Das Buch ist keine trockene Auflistung von Fakten, sondern eine lebendige Erzählung, gespickt mit persönlichen Anekdoten und Beobachtungen. Hyun schafft es, die Widersprüche und Besonderheiten der koreanischen Gesellschaft auf unterhaltsame und gleichzeitig informative Weise darzustellen.
“Gebrauchsanweisung für Südkorea”, ist im Juni 2024 als aktualisierte Neuausgabe erschienen und ist ein spannender Reisebericht mit aktuellen Insidertipps. Das Buch ist nicht nur eine Art Reiseführer, sondern auch ein Plädoyer für mehr Verständnis und Toleranz zwischen den Kulturen.

Alles in allem ist es ein tolles Buch für alle, die sich für Korea interessieren und mehr über Land und Leute erfahren wollen. Es ist informativ, unterhaltsam und gibt Einblicke in die Kultur und Geschichte des Landes. Ich kann es nur empfehlen!
Wenn du das Buch liest, hast du das Gefühl, mit einem Freund zu plaudern, der einem gerade von seinen Erlebnissen in einer fernen Welt berichtet und dir gleichzeitig die vielfältige und spannende Kultur Koreas näherbringt.
Mir hat dieses Buch geholfen, viele meiner eigenen Beobachtungen in Korea besser einzuordnen und zu verstehen. Gleichzeitig hat es meine Neugier geweckt, noch tiefer in die koreanische Kultur einzutauchen.
Fazit
Die Literatur- und Lesekultur in Korea ist beeindruckend und vielfältig. Die Literatur spielt in der koreanischen Gesellschaft eine wichtige Rolle und wird durch zahlreiche Literaturpreise, -festivals und Regierungsinitiativen gefördert.
Für mich ist mein Buchtipp „Gebrauchsanweisung für Südkorea“ von Martin Hyun eine wunderbare Ergänzung zu meinen eigenen Entdeckungsreisen durch Korea und die perfekte Lektüre und ein „must read“ für alle, die mehr über dieses faszinierende Land erfahren möchten.


